Italien 7.1


Mit dem ersten Abschnitt des siebten Teils möchte ich mich  für die nächsten zwei Wochen in den Urlaub verabschieden. Dort wo ich hinfahre werde ich weder einen Laptop noch regelmäßig Internet haben, darum lasse ich euch ein wenig mit der Fortsetzung schmoren;)

Seht es mir also bitte nach, wenn ich nicht so bald auf Kommentare antworten kann, sobald ich wieder da bin, werde ich das mit Freude tun.

Lieben Gruß und viel Spaß beim Lesen,

John

 

„Aufstehen Schlafmütze!“, weckte mich eine allzu bekannte Stimme.

Verschlafen sah ich mich um, bis ich schließlich einen strahlenden Eddy neben meinem Bett entdeckte.

„Guten Morgen.“, gab ich noch etwas desorientiert zurück.

„Morgen?“, entrüstete Eddy sich. „Es ist schon nach 11. Sieh zu, dass du aufstehst, damit wir endlich los kommen.“

„Losfahren? Wohin?“, ich war immer noch nicht auf der Höhe.

„Zum Strand natürlich. Das Wetter ist einfach perfekt. Die Sonne scheint ohne Ende und es ist richtig warm. Also mach hinne, in spätestens einer halben Stunde fahre ich.“, drohte er.

„Ich kann doch eh nicht ins Wasser. Du weißt doch, meine Hand.“, bremste ich ihn und schob die verbundene Hand unter der Bettdecke hervor. Allerdings wurde Eddys Grinsen nur noch breiter.

„Keine Angst. Ich habe vorgesorgt.“, triumphierend reckte er seine linke Hand in die Höhe.

„Was hast du da?“, fragte ich. Ich war noch zu verschlafen um Details zu erkennen.

„Einen Gummihandschuh und Panzertape.“, erklärte er.

Ich setzte mich in meinem Bett auf, um die Utensilien genauer betrachten zu können.

„Und du meinst das funktioniert?“, fragte  ich ihn.

„Ich hoffe es zumindest. Aber du kannst es jetzt unter der Dusche direkt ausprobieren. Ich packe in der Zeit das Auto.“

Überrascht schaute ich ihn an. „Was gibt es denn zu packen?“

„Das Zelt und so. Ich dachte mir wir könnten uns doch die Fahrerei sparen, indem wir einfach am Strand zelten. Dann können wir morgen früh direkt wieder ins Wasser, ohne dass wir erst fahren müssen. Verpflegung haben wir auch genug, es ist also für alles gesorgt. Es sei denn du hast keine Lust?“, fragend schaute er mich an.

„Machst du Witze? Klar habe ich Lust. Dafür breche ich sogar meine Nachtruhe ab.“, erklärte  ich.

„Perfekt. Ich kümmere mich dann mal um das Auto.“, sagte er und ging hinaus. Vorfreude stieg in mir auf. Mir standen vermutlich zwei sehr lustige Tage bevor.

Gut gelaunt ging ich ins Bad und machte mich mit Hilfe des neuen Wasserschutzes fertig.

Etwa dreißig Minuten später saßen wir schon in Eddys Auto und waren auf dem Weg zum Strand. Eddys Handschuh-Tape-Konstruktion hatte tatsächlich gehalten, ein längerer Aufenthalt im Wasser war also kein Problem. Als ich beim Frühstück meinen Eltern von unseren Plänen berichtete, hatten diese sich darüber gefreut, dass ich die nächsten zwei Tage mit Eddy verbrachte. Mein Vater hatte mir sogar ein aufmunterndes Zwinkern zu geworfen, was auch immer das zu bedeuten hatte.

Wollte er mich etwa ermutigen den entscheidenden Schritt bei Eddy zu wagen?

Gedankenverloren beobachtete ich Eddy während der Autofahrt. Dieser glückliche Ausdruck der in seinem Gesicht lag, war das mehr als nur freundschaftliche Freude Zeit mit mir verbringen zu können?

Vielleicht.

Aber die Tatsache, dass er schon zwei Freundinnen hatte, spricht wohl dagegen. Es waren immer wieder die gleichen Gedanken und Fragen die in meinem Kopf kreisten. Auch wenn ich mich entschlossen hatte ihm nichts von meinen Gefühlen zu sagen, verschwanden diese Fragen nicht einfach. Allerdings konnte ich nur Antworten finden, wenn ich bereit war Risiken einzugehen. Warum konnte so etwas nicht einfacher sein? Warum gab es nicht ein Programm, welches einem genau die Sexualität des anderen verriet?

„Mist.“, fluchte ich ungewollt laut.

„Was?“, fragte Eddy.

„Hä? Ich hab nichts gesagt.“, behauptete ich.

„Na klar. Du hast gerade geflucht, also warum?“ Er schaute mich fragend an.

„Hab ich?“, innerlich ärgerte ich mich, ich hatte das gar nicht laut aussprechen wollen.

„Ja, hast du.“, erwiderte er energisch. „Also, was ist es worüber du dich aufregst?“

„Ach nichts. Ich war nur in Gedanken. Wie war es eigentlich gestern mit deinen Eltern?“, versuchte ich das Thema zu wechseln.

„Ganz ok.“, erklärte er. Anscheinend hatte der plumpe Versuch funktioniert. „Wir sind durch ganz Rom gelaufen und haben  uns alle Sehenswürdigkeiten angeschaut, eine sehr interessante Stadt muss ich sagen.“

„Das klingt jetzt aber nicht sehr begeistert.“

„Doch, eigentlich fand ich die Stadt schon sehr interessant und ich hatte mich schon lange darauf gefreut sie zu sehen, aber gestern war irgendwie… komisch. Kann ich auch nicht richtig erklären.“, sagte er.

„Hm okay. Naja, ist zwar schade, dass es letztendlich nicht so war, wie du es dir vorgestellt hast, aber vielleicht wird der nächste Besuch interessanter.“, versuchte ich ihn aufzumuntern.

„Schauen wir mal. So wir sind da!“

Erstaunt schaute ich mich um. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass wir schon so weit waren.

„Wollen wir die Sachen jetzt schon alle mit raus nehmen, oder erst später?“, fragte er.

„Später. Jetzt will ich erst einmal ins Wasser.“, erklärte ich und schon machten wir uns daran die Surfbretter und zwei Handtücher auszuladen. Meine Hand wurde wieder wasserfest gemacht und schon konnte es losgehen.

Das Wasser war eine willkommene Abwechslung von der Hitze, die schon so früh herrschte.

„Bist du bereit wieder auf Brett zu steigen?“, fragte er, nachdem wir uns ein paar Minuten so abgekühlt hatten.

„Na klar.“ erwiderte ich und machte mich auf den Weg mein Surfbrett zu holen.

„Wie kommt es eigentlich, dass die Wellen hier so gut brechen? Denn eigentlich ist Italien, beziehungsweise die Adria, ja nicht so die Surfregion, um es mal milde auszudrücken.“, fragte ich ihn.

„Du hast Recht, das ist ungewöhnlich, darum habe ich mir die Frage auch schon oft gestellt. Ich glaube es liegt an der Klippe, die ein Stück vom Strand unter Wasser ist. Irgendwann als ich hier mal tauchen war, habe ich die entdeckt. Der größte Teil dieser Bucht hier liegt auf einem Plateau und da ist ein Unterschied von ein paar Metern bis zum eigentlichen Grund. Ich kann dir allerdings nicht sagen, ob das wirklich die Ursache ist, ich kenne mich mit so etwas nämlich überhaupt nicht aus. Vielleicht ist es auch nur eine Laune der Natur oder ein Wunder Gottes.“, scherzte er.

„Wir werden es wohl nicht erfahren.“, erwiderte ich mit einem Achselzucken. „Wir sollten einfach froh sein, dass es ist wie es ist.“, fügte ich an, dann stürzte ich mich mit dem Surfbrett in die Fluten.

Auch wenn mir das Paddeln noch einige Schwierigkeiten bereitete, stellte die kaputte Hand alles in allem kein großes Hindernis dar.

Wir surften einige Zeit vor uns hin, bis Eddy es sich anscheinend zur Aufgabe gemacht hatte mich während des Wellenreitens von meinem Brett zu schubsen.

„Na warte!“, drohte ich ihm, nachdem er mich das dritte Mal erfolgreich vom Brett geholt hatte. Ich bemühte mich, während des Surfens neben ihn zu kommen aber da er um einiges geschickter und geübter war als ich, endeten meine Versuche alle im kühlen Nass.

„Wirklich sehr elegant.“, spottete er, nachdem ich wieder einmal an ihm vorbei gesegelt war.

„Keine Angst, du kriegst dein Fett schon noch weg.“, sagte ich, als ich mich mit meinem Brett auf dem Weg fort vom Strand machte.

Diesmal erwischte ich eine gute Welle. Ich schaffte es gut mein Gleichgewicht zu halten, während Eddy direkt neben mir war.

Jetzt oder nie, dachte ich als ich mich von meinem Brett abstieß.

Endlich klappte es.

Ich traf ihn und zusammen landeten wir im Wasser, wo sofort eine Welle über uns zusammenbrach. Für einen Moment verlor ich vollkommen die Orientierung. Ich wurde unkontrolliert durch das Wasser gewirbelt, um mich herum war alles voller Luftblasen.

Ich konnte nicht erkennen wo der Grund war, oder wo sich die Oberfläche befand. Wie wild schlug ich um mich, bei dem Versuch die Oberfläche zu erreichen.

Endlich trafen meine Füße irgendetwas festes, so gut ich konnte stieß ich mich ab.  Mein Kopf durchstieß die Oberfläche, gierig sog ich die Luft in meine Lungen.

Jedoch war mir der Segen des freien Atmens nicht lange vergönnt. Aus dem Augenwinkel sah ich etwas buntes auf mich zufliegen.

Geistesgegenwärtig hob ich meine Hände vors Gesicht.

Keine gute Idee, wie sich herausstellte. Siedender Schmerz durchzog meine rechte Hand, als der Gegenstand darauf traf. Ich wurde wieder unter Wasser gedrückt und ich war mir sicher, dass mein Blickfeld nicht nur wegen des Wassers verschwommen war. Panisch versuchte ich wieder an die Oberfläche zu gelangen, die schmerzende Hand dicht an meinen Körper gepresst.

Plötzlich spürte ich wie jemand mich unter den Armen fasste und begann mich durchs Wasser zu ziehen. Mein Kopf kam wieder an die Oberfläche, das zweite Mal innerhalb kürzester Zeit war ich froh, wieder Luft in meinen brennenden Lungen zu saugen. Die Schmerzen, die von meiner Hand ausgingen lähmten mich noch immer, darum ließ ich mich so lange ziehen, bis ich wieder Boden unter den Füßen spürte.

„Okay, es reicht danke.“, schnaufte ich und schon ließen die Arme mich los. Ich richtete mich auf und betrachtete erst einmal meine schmerzende Hand. Durch den Handschuh war nicht viel zu erkennen, aber ich glaubte ein paar rote Flecken in dem Verband erkennen zu können.

„Geht es dir gut? Du hast mir einen ganz schönen Schrecken eingejagt.“, sagte Eddy. Besorgt schaute er mich an. Er musste sich ziemlich angestrengt haben, da er sehr schwer atmete.

„Ja, mir geht es so weit gut.“, antwortete ich, als ich wieder zu Atem gekommen war.  „Nur meine Hand tut höllisch weh, irgendwas hat mich getroffen. Ich glaube es war eines der Surfbretter.“, erklärte ich.

„Die Bretter!“ Eddy zuckte zusammen. Einen Moment suchte er das Meer ab, dann stürzte er ins Wasser. Glücklicherweise waren die beiden Bretter nicht allzu weit von uns entfernt, sodass Eddy sie schnell wieder eingesammelt hatte. Mit fiel auf, dass er das kürzere Brett zuerst holte, obwohl das andere viel näher gewesen wäre. Während er die Surfbretter vor dem Abtreiben bewahrt hatte, war ich schon weiter zum Strand gegangen, die verletzte Hand noch immer an mich gepresst. Der Schmerz ließ langsam nach, dafür ging jedoch ein unangenehmes puckern durch die Hand.

„Entschuldige, aber ich wollte die Bretter nicht einfach so abtreiben lassen.“, erklärte Eddy, nachdem er zum Strand zurückgekehrt war.

„Schon ok.“, winkte ich ab.

„Dann sollten wir uns jetzt erst einmal deine Hand anschauen. Am besten wir gehen zum Auto zurück, da haben wir auch neues Verbandsmaterial.“, schlug er vor.

„So machen wir es.“, stimmte ich ihm zu. Wir trockneten uns noch ein wenig ab, bevor wir uns mit einem Surfbrett auf den Weg zurück machten.

„Dann zeig mal her.“, forderte Eddy mich auf,  als wir wieder im Auto saßen.  Bereitwillig hielt ich ihm meine Hand hin. Vorsichtig begann er das Tape zu lösen und den Handschuh abzuziehen. Als der Gummihandschuh ab war, war deutlich zu erkennen, dass die Wunden wieder angefangen hatten zu bluten. Überall hatten sich rote Flecken gebildet.

„Autsch. Das sieht nicht so gut aus.“, kommentierte Eddy das Bild, welches sich uns bot.

„Nicht wirklich.“, pflichtete ich ihm bei. Als wir den Verband entfernt hatten, bestätigte sich unser Verdacht. Zahlreiche Wunden waren wieder aufgebrochen und hatten erneut begonnen zu bluten.

„Dumm gelaufen.“, sagte ich. Die Schmerzen hatten schon gut nachgelassen, darum konnte ich diesen Rückschlag etwas nüchterner betrachten

„Immerhin war es ein richtiger Volltreffer. Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, dass du schon wieder so nah an mir dran warst. Der Punkt geht eindeutig an dich.“, witzelte er, ein aufmunterndes Lächeln zierte sein Gesicht.

„Zu viel der Ehre, so oft wie ich an dir vorbeigesegelt bin, zählt dieser eine Treffer wohl nichts.“, wandte ich ein, während wir die Hand neu verbanden. Als der neue Verband saß, streiften wir auch gleich wieder einen Handschuh darüber und befestigten ihn.

„Ich denke es ist besser, wenn du die Hand jetzt erst ein wenig schonst.“, riet Eddy. „Wir können ja schon mal das Zelt aufbauen und die Sachen für heute Abend herrichten.“, schlug er vor und so taten wir es dann auch.

Zuerst bauten wir das Zelt auf, wobei Eddy die meiste Arbeit machen musste, da ich mit meiner linken Hand keine große Hilfe war. Danach brachten wir die Schlafsäcke und Taschen ins Zelt, bevor wir zu guter Letzt eine Feuerstelle herrichteten, an der wir am Abend die mitgebrachten Bratwürste grillen wollten.

„Fertig.“, erschöpft setzte ich mich in den Sand neben unsere aus Steinen gebastelte Feuerstelle. Das Brennholz hatten wir uns am Campingplatz gekauft.

„Endlich.“, fügte Eddy an und setzte sich neben mich.

„Haben wir das schon einmal hinter uns gebracht. Wie geht es deiner Hand?“, fragte er.

„Schon besser, Schmerzen habe ich fast keine mehr und ich glaube die Blutung hat auch nachgelassen.“, erklärte ich.

„Na das klingt doch gut.“, sagte er.

„Habe ich mich eigentlich schon bei dir bedankt?“, fragte ich, in etwas ernsteren Ton.

„Wofür?“, verwirrt schaute er mich an.

„Dafür, dass du mich aus dem Wasser gezogen hast. Ich weiß nicht, ob ich ohne dich da so gut wieder raus gekommen wäre.“

„Ach, das war doch nichts.“, verlegen lächelte er. Einmal mehr wurde mir klar, wie unglaublich schön er war. Meine Gefühle begannen überzukochen.

Mein Herz schlug plötzlich wie verrückt. Das Verlangen in mir ihn zu küssen war unbeschreiblich. Nervosität machte sich in mir breit. Sollte ich es tun?

„Doch, nicht jeder hätte so gut reagiert wie du.“, krächzte ich mehr, als das ich es sagte.

Oh Gott, irgendwas muss jetzt passieren, ansonsten merkt er noch was los ist. Abrupt stand ich auf und ging zum Meer.

„Alles klar mit dir?“, fragte er.

Schon wieder sorgte er sich um mich.

„Ja, ich will mich nur mal kurz abkühlen, mir ist gerade so warm.“, erklärte ich.

Vielleicht konnte das kalte Wasser ja meine Gefühle abkühlen.

„Da komme ich doch glatt mit.“, sagte er und folgte mir.

Ich tauchte in das kühle Wasser und hoffte, wieder klare Gedanken fassen zu können.

Doch es half nichts. Das Verlangen ihn zu küssen beherrschte nach wie vor jeden meiner Gedanken.

Wenn ich nur nicht so feige wäre, würde ich es einfach tun, verfluchte ich mich selber.  Noch immer zerrissen von meinem Verlangen ihn zu küssen und meinem Verstand, der mir davon abriet es zu tun, tauchte ich wieder auf. Es wäre ja auch zu einfach gewesen, wenn das kalte Wasser etwas verändert hätte.

Plötzlich tauchte Eddy genau vor mir auf. Wieder überkam es mich.

Alles war so verdammt wundervoll, das Rauschen der Wellen, die angenehme Wärme und dann noch dieser perfekte Junge. Zu allem Überfluss hatte er wieder dieses verschmitzte Lächeln im Gesicht.

Das brachte das Fass in mir zum Überlaufen. Die Dämme, welche das Verlangen zurückhielten, brachen, eine Welle von Gefühlen brach über meinen Verstand herein und schaltete ihn ab.

„Was soll schon passieren?“, mit diesem Gedanken schob ich alle Zweifel beiseite.

Dann küsste ich ihn.

 

 

Ich bin mir bewusst wie gemein dieser Cliffhänger ist, aber so ein bischen Spaß muss man sich ja auch mal erlauben 🙂

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